Wir stellen vor: Lara Hübinger, Fachbereichsleitung der Wohngruppen
Manchmal kennt man einen Namen, manchmal auch das Gesicht und in der MiA kann man auch etwas mehr erfahren, aber wer sind eigentlich die MUTABOR-Menschen? Immer wieder einmal werden wir euch eine*n "Mutabor-Menschen" vorstellen.
Heute ist es Lara Hübinger, Fachbereichsleitung der Wohngruppen
Anlässlich ihres 10 jährigen Jubiläums bei MUTABOR, haben wir ein Interview mit ihr geführt.
Liebe Lara, herzlichen Glückwunsch zu 10 Jahren bei MUTABOR!
Kannst Du Dich bitte in einigen Sätzen kurz vorstellen?
Mein Name ist Lara Hübinger. Ich arbeite als Fachbereichsleitung für die Wohngruppen Nister und Hamm. Ich bin Erzieherin, Sozialarbeiterin und Sexualpädagogin.
Wie bist Du zu MUTABOR gekommen und wie waren Deine Anfänge?
Ich bin durch die ehemalige Fachbereichsleitung aus Nister zu Mutabor gekommen, da ich sie von meinem vorherigen Arbeitgeber kannte. In Nister habe ich dann in der WG 2 ab Eröffnung als Gruppenleitung gearbeitet.
Ursprünglich wurde Nister im Jahre 2016 eröffnet, um unbegleiteten minderjährigen geflüchteten Jugendlichen ein Zuhause zu bieten. Arbeitstechnisch war es absolutes Neuland, da ich zuvor noch nicht mit geflüchteten jungen Menschen gearbeitet habe und auch nicht in einer leitenden Position.
Die Stelle habe ich bewusst so gewählt, weil ich nach meiner Ausbildung und meinem ersten Job in einer Intensivgruppe für Kinder, etwas ganz anderes machen wollte, um Erfahrungen zu sammeln.
Im Jahr 2018 wurde ich Einrichtungsleitung von Nister, wo mittlerweile 12 Kinder und Jugendliche in zwei Intensivgruppen leben.
Ein paar Jahre später hat sich meine Zuständigkeit erweitert und ich bin als Fachbereichsleitung der Wohngruppen auch für die WG in Hamm zuständig, in der 7 Jungen mit intensivpädagogischem Bedarf leben.
Schon nach meiner Ausbildung wusste ich, dass ich studieren möchte, aber gleichzeitig auch arbeiten möchte, also habe ich im Jahr 2018 mein Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Rhein Main in Wiesbaden begonnen.
Das habe ich vier Jahre neben meiner Arbeit absolviert und bin seit 2022 staatlich anerkannte Sozialarbeiterin. Und weil ich nicht stehen bleiben möchte, habe ich eine Weiterbildung zur Sexualpädagogin gemacht.
Was sind Deine täglichen Aufgaben und Herausforderungen? Wie sieht ein Arbeitstag bei Dir gewöhnlich aus?
Ich arbeite in der Zeit von Montag bis Freitag und begleite die Teams in pädagogischen Fragen, erledige viele administrativen Aufgaben bzgl. Jugendämtern und anderen Netzwerkpartnern. Ich nehme an einem gewöhnlichen Arbeitstag an einer der Teamsitzungen teil, beantworte danach meine Mails und die Anfragen von einzelnen Kolleg:innen. Oft bearbeite ich Berichte, die dann an Sorgeberechtigte und Jugendämter versendet werden.
Wenn wir einen Platz frei haben, sammle ich alle Anfragen, prüfe diese und bespreche sie mit den Teams. Dann geht die Anbahnungsphase mit den Jugendämtern, Sorgeberechtigten und Kindern/Jugendlichen los, die ich bis zum Einzug begleite.
Da mein Büro im Haus in Nister ist, sehe ich die Kinder der WGs Nister recht häufig. Manche klopfen nach Schulschluss an meiner Bürotür um Hallo zu sagen oder fragen mich, ob ich mit ihnen zu Mittag essen möchte. Das sind kleine Momente im Alltag, die mich glücklich machen und mir immer wieder zeigen, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.
Für mich ist es jedoch immer wieder eine große Herausforderung zu wissen, dass es noch viele Kinder gibt, die Hilfe und ein Zuhause benötigen, es aber allgemein in der Jugendhilfelandschaft an Plätzen mangelt. Ich erhalte täglich Aufnahmeanfragen per Mail oder auch per Anruf und muss dann leider immer wieder sagen, dass wir keinen Platz mehr frei haben.
Was schätzt Du an Deiner Arbeit?
Ich schätze vor allem die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Ohne die verschiedenen Teams wäre die Arbeit nicht möglich.
Ich kann meine eigenen Ideen einbringen und wirksam sein, das ist ebenfalls etwas, was ich sehr schätze.
Welche persönlichen Eigenschaften helfen Dir bei Deiner Arbeit?
Ich bin empathisch, was mir hilft mich in die Menschen, mit denen ich tagtäglich Kontakt habe, hineinzuversetzen. Das hilft besonders in der Arbeit mit den Kindern und ihren Familien in Gesprächen mit dem Jugendamt.
Ich habe auch keine Angst vor Veränderungen und finde Wachstum und Entwicklung bereichernd. Das macht Mutabor für mich zum richtigen Arbeitgeber.
Wie hat sich Dein Arbeitsalltag in den letzten 10 Jahren verändert?
Die größte Veränderung hat stattgefunden, als ich Fachbereichsleitung geworden bin. Ab da war ich nicht mehr im Schichtdienst tätig, sondern von Montag-Freitag mit normalen Arbeitszeiten. Da ich den Schichtdienst immer sehr geschätzt habe, war das für mich eine der größeren Umstellungen in den letzten 10 Jahren.
Auf welche besonderen Ereignisse oder Momente schaust Du zurück?
Ich schaue besonders auf die konzeptionellen Veränderungen zurück, die in den letzten 10 Jahren stattgefunden haben. Jedes Konzept war für sich toll und die Arbeit hat viel Spaß gemacht. Ich erinnere mich auch an besondere Geschichten, die man nur erzählen kann, wenn man so eng mit Kindern und Jugendlichen arbeitet und diese tagein tagaus begleitet.
Mit den geflüchteten Jugendlichen haben wir zum Beispiel ein eritreisches Restaurant besucht, sodass sie uns zeigen konnten, was in ihrer Heimat gegessen wird. Das war ein toller Abend, die Jungs haben viel aus ihrer Heimat erzählt und ein gemeinsames Essen ist die schönste Zeit, um zu erzählen, zu lachen und schöne Momente zu schaffen.
Ein weiterer Moment, der mir in Erinnerung geblieben ist: Ein Jugendlicher, der ab 2016 bei uns gelebt hat, war schon ausgezogen und hatte seine Prüfung bei der Handwerkskammer zum KfZ -Mechatroniker bestanden. Danach ist er direkt nach Nister gekommen, weil er wusste, dass wir Teamsitzung haben und uns als erstes von seiner bestandenen Prüfung erzählen wollte, weil wir mit ihm diesen Weg begonnen haben und er sich bedanken wollte.
Als ich versucht habe für das Jubiläumsfest Kontakte zu ehemaligen Jugendlichen aufzunehmen, um diese einzuladen, habe ich mit einem ehemaligen Jugendlichen viel bei Instagram geschrieben; er hatte viel zu erzählen und reflektierte seine Zeit in Nister mit den Worten „Ich war nicht der netteste Bewohner, aber im Nachhinein betrachtet, war es eine gute Zeit“.
Das wünsche ich mir auch für die Zukunft; dass die Kinder, die bei uns wohnen zu jungen Erwachsenen heranwachsen und sich an die Zeit bei uns gut zurückerinnern, auch wenn es konflikthafte und schwierige Zeiten gab.
Seit 2023 arbeiten wir mit dem neuen Leitbild Glück. Wie ist Deine Haltung dazu? Was macht Dich im Berufsalltag glücklich?
In Bezug auf unsere Arbeit ist Glück essenziell. Denn auch wenn die Kinder schwierigere Lebensumstände haben als andere, gilt es, ihnen einen Ort zu schaffen, an dem sie den Umständen entsprechend, glücklich sein und beschützt aufwachsen können.
Mich macht im Berufsalltag glücklich (junge) Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen und Teil davon sein zu können. Es macht mich glücklich, wenn ehemalige Jugendliche mir schreiben, dass die Zeit in der Wohngruppe im Nachhinein betrachtet, gut und hilfreich war und dass sie trotz allen schwierigen Situationen eine gute Zeit hatten.

Herzlichen Dank Lara, dass Du das Interview mit uns geführt hast! Wir freuen uns, dass Du bei uns bist.